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HR Circle Podium

27. November 2017- ganznormal.at Experte erstmals zu Gast beim HR Circle

Gemeinsam mit Frau Dr.in Eva Höltl, Leiterin Erste Bank Gesundheitszentrum, diskutierte ganznormal.at Fachbeiratsleiter und Chefarzt des Psychosozialen Dienstes Wien, Prim. Dr. Georg Psota zum Thema „Suchterkrankungen am Arbeitsplatz: Wahrnehmen ist der erste Schritt“. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Obfrau des HR Circles, Frau Mag.a Cornelia Dankl.

Auf Einladung des HR Circles hatten Vorstandsvorsitzender Christian Deutsch und Georg Psota von ganznormal.at die Möglichkeit im Vorfeld dieses spannenden Diskussionsabends einer interessierten Hörerschaft aus dem Bereich Human Ressources den Verein, seine Aktivitäten und vor allem den Kinospot aus der aktuellen Kampagne vorzustellen. In diesem wird von den Protagonisten unter anderem auch das Thema Sucht thematisiert.

Wann wird Alkoholkonsum zur Sucht?
Der „ab-und-an-Konsum“ ist nicht als problematisch anzusehen. Die Dosis sowie die Häufigkeit, dh. ein regelmäßig immer höher werdender Alkoholkonsum definiert die Sucht. Um Dr. Stephan Rudas (ehem. Chefarzt des  PSD Wien) zu zitieren: „Die Abhängigkeit – die Sucht – ist erreicht, wenn „nicht mehr wedelt Hund mit Schwanz“, sondern „wedelt Schwanz mit Hund“, so Georg Psota.

Wenn es um Abhängigkeit und Sucht geht, schlägt in Österreich der Alkohol alles. Fakt ist, dass der Alkoholkonsum hierzulande hoch und in der Mitte der Gesellschaft angesiedelt ist. Alkohol – da frei zugänglich - wird im sozialen Kontext als „Mutmacher“ (vor allem bei Jugendlichen), bei Anspannungen zur Selbstmedikation eingesetzt. Bei bestehenden Grunderkrankungen wie Angsterkrankungen oder einer Sozialphobie tritt eine Alkoholerkrankung oftmals auch als zusätzliche Komorbidität auf.

In Österreich gelten etwa 340.000 Menschen als alkoholkrank, knapp 735.000 Österreicher konsumieren Alkohol regelmäßig in einem gesundheitsschädlichen Ausmaß.
1/3 der in Österreich getrunkenen Alkoholmenge trinken Alkoholkranke, 1/3 Personen mit „problematischem Alkoholkonsum“ und 1/3 Personen mit unbedenklichem Trinkverhalten.*

„Suchterkrankungen von Mitarbeitern sind in einem Unternehmen meistens anhand von Veränderungen bei der Leistung oder im Wesen des Mitarbeiters gut sichtbar. Prävention im Bereich Sucht ist bereits in einem frühen Setting, zB. in der Lehrlingsausbildung anzusetzen. So gibt es innerhalb der Erste Bank Group verpflichtende Workshops für Lehrlinge und Führungskräfte“, erläutert Eva Höltl.

Für die Führungskräfte sind demnach in der Erste Bank Group genaue Prozesse im Umgang mit Alkoholerkrankten festgelegt. Diese finden unter geringstmöglicher Öffentlichkeit und nach genau festgelegten Eskalationsstufen statt. Das Ansprechen einer Erkrankung bzw. das Ansprechen einer Veränderung im Wesen des Mitarbeiters wird trainiert. So werden unternehmensrelevante Erwartungen an den Mitarbeiter, wie etwa „Ich möchte, dass Sie nicht mehr nach Alkohol riechen.“ ausgesprochen. Gründe, warum es zu dem Verhalten des Mitarbeiters kam oder gar Alkoholmengen sind in diesem Prozess nicht wichtig. Wenn keine Verbesserung im Verhalten eintritt, wird in einem nächsten Schritt eine Behandlung/Therapie angeordnet. Diese findet außerhalb des Unternehmens statt. In der Regel kooperieren Mitarbeiter mit einer Alkoholerkrankung sehr gut. In kleineren Unternehmenstrukturen können Angehörige von Mitarbeitern oder freundschaftlich verbundene Kollegen gute Partner in diesem Bereich sein.

„Die Bedingungen in der heutigen Arbeitswelt sind nicht aufhaltbar (Globalisierung, Digitalisierung, ...). Die Märkte sind angespannt, die Ressourcen knapp. Neun von zehn Arbeitsplätzen sind heutzutage im Bereich von Dienstleistung angesiedelt. Diese Tätigkeiten erfordern  ein hohes Maß an psychischer Gesundheit/Belastbarkeit“, so Eva Hölt. Aktuell spricht der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungen von 900.000 sog. „self-reported“ Fällen von psychischer Erkrankung. Ein Zeitfenster von im Durchschnitt sieben Jahren von der zB ersten Medikation/Therapie bis zu einer etwaigen Arbeitsunfähigkeit kann und muss genutzt werden.

Betriebliches Gesundheitsmanagement dürfe sich in diesem Sinne nicht auf gesunde Ernährung und Bewegung beschränken, sondern müsse wirklich Unterstützung bei wichtigen Fragen zum Thema Gesundheit geben.

* Studie des Bundesministeriums für Gesundheit, 2009