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28. April 2016 – ganznormal.at Club Cuvée in der Galerie WestLicht

Aus Anlass des Welttages für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz 2016 lud der Verein ganznormal.at gemeinsam mit dem Club Cuvée zur Podiumsdiskussion um das Thema  „Mobbing gegensteuern - Arbeitnehmerinnen und Arbeiternehmer schützen“.

Laut der aktuellen EWCS Studie (European Work Condition Survey) liegt die Mobbingrate in Österreich bei 7,2% und damit deutlich über jener der EU (4,1%). Zudem stieg in Österreich die Rate zwischen 2005 und 2010 während sie im EU Raum insgesamt sank.

Stark gestiegen ist die Mobbingrate unter den „50plus“ - von 3,8 Prozent (2005) auf 8,6 Prozent (2010). Vom Anstieg bei Mobbing sind Frauen stärker betroffen (2005 rd. 5% , 2010 rd. 8%) als Männer (2005 rd. 5%, 2010 6,6 %). Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria aus 2009 zeigen auf, dass 44 Prozent der von Mobbing Betroffenen erst einen Monat nach den Vorfällen und noch später an den Arbeitsplatz zurückkehren. Rund drei Prozent kehren überhaupt nicht mehr zurück. Rund 23 Prozent bleiben ihrem Arbeitsplatz mindestens zwei bis vier Wochen fern, der Rest zwischen drei und 13 Tagen.

Darüber diskutierten mit Moderator Dr. Ralph Vallon Dr.in Eva Höltl, Leiterin des Gesundheitszentrums der Erste Bank AG, Mag.a Sonja Ramskogler, Psychologin und Psychotherapeutin und Rudolf Kaske, Präsident der AK Wien und der Bundesarbeitskammer.

Nach der Begrüßung und einer kurzen Vorstellung von ganznormal.at durch Vereinsvorstand LAbg. Christian Deutsch verwies  Rudolf Kaske in seinem Eingangsstatement auf die seit 1.1.2013 geltende Arbeitsschutzgesetz-Bestimmung: Diese Bestimmung verpflichtet Arbeitgeber dazu, eine Evaluierung der psychischen Belastungen für Arbeitnehmer in Ihren Unternehmen durchzuführen und darauf, dass diese Bestimmung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eine Win-Win Situation ist. Denn, so Kaske, werden für die Beschäftigten gesunde Arbeitsbedingungen geschaffen, entstehen für die Unternehmen weniger Kosten, da die Zahl der Krankenstände sinkt, die Fluktuation abnimmt und die Produktivität zunimmt". Lt. Strukturwandelbarometer der AK haben aber bis dato nur 21% der Unternehmen die vorgeschriebene Evaluierung umgesetzt.
Aktuellste Zahlen belegen, dass arbeitsbedingte psychische Belastungen dem österreichischen Staat jährlich 3,3 Milliarden Euro kosten. Bereits ein Drittel der Diagnosen, die zu Berufsunfähigkeits- oder Invaliditätspension führen, lassen sich auf solche psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zurückführen.
Grundtenor der Diskutanten ist, es erst gar nicht soweit kommen zu lassen. Denn Mobbing macht krank. Information und Prävention sind Schlüsselaufgaben der Unternehmen und der Arbeiternehmervertreter. Und im Fall des Falles kommt, lt. Dr. Eva Höltl, dem Unternehmer bei Mobbing eine Interventionsverpflichtung zu. „Denn die Traumatisierung von gemobbten Mitarbeitern kann oft sehr nachhaltig sein“, so Psychotherapeutin Ramskogler, „Wenn Klienten zu mir kommen, ist es oft schon weit fortgeschritten. Die Verantwortlichen, die Mobbing zulassen oder es gar selbst tun, sind sich oft nicht bewußt, was sie hier anrichten.“

Mobbing ist nichts anderes als eine Form von psychischer Gewalt, die wie jede andere Gewaltanwendung nicht toleriert werden darf!

Unter den zahlreichen Besuchern u.a. gesehen: Kammersänger Harald Serafin, Arwag Prokurist Stefan Hawla, Hanni und Karl Kolarik, Schweizerhaus, Psychiater Andreas Walter, Oracle ML Johannes Dobretsberger, Raphaela Vallon-Sattler, IAA, Unternehmensberater Robert Moser und Josef Toman, GF Aeneas.