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Vom Tabu zum Gebot: Psychiatrische/psychotherapeutische Behandlung hilft! Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober

Zum Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober macht der Verein ganznormal.at darauf aufmerksam, wie dringend notwendig der Ausbau der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung in Österreich ist. Christian Deutsch, SP-Gemeinderat und Vorstandsvorsitzender von ganznormal.at: „Ein Drittel aller Menschen in Österreich kämpft mit psychischen Problemen, 900.000 werden psychisch oder psychiatrisch betreut. Leider ist es nach wie vor ein Tabu über eine psychische Erkrankung zu sprechen. Es mangelt an gesellschaftlicher Akzeptanz.“ Die Behandlung von psychischen Erkrankungen hilft und sollte so normal sein wie die Behandlung eines Beinbruches. „Psychische Erkrankungen verlaufen nach den gleichen Kriterien wie körperliche Erkrankungen. Erkrankte Menschen benötigen die passenden Hilfsangebote. Je früher im Erkrankungsverlauf, desto besser. Das beginnt mit Prävention, über die Behandlung bis hin zur Rehabilitation“, sagt Prim. Dr. Georg Psota, Vorsitzender des Fachbeirates von ganznormal.at

Der Wiener Landtag hat in der Sitzung am 30. September einen von Deutsch und Psota initiierten Antrag zur Psychiatrischen Versorgung in Wien einstimmig beschlossen. Die Kernpunkte sind:

  • Mehr psychiatrische und psychotherapeutische Kompetenz für den steigenden Versorgungsbedarf.
  • Spezieller Fokus auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie: Hier sollen mehr Ausbildungsplätze für Mediziner geschaffen und die Versorgung verbessert werden.
  • Ausbau der rehabilitativen Angebote.
  • Mehr Fachärzte für Psychiatrie mit Kassenverträgen.
  • Bessere Versorgung traumatisierter Menschen.

1 Milliarde für psychische Gesundheit
Michael Felten, Geschäftsführer von pro mente Wien, fordert für die bessere Versorgung psychisch kranker Menschen eine Sofort-Milliarde. „Fünfzig bis sechzig Prozent der krankheitsbedingten Arbeitsausfälle sind auf Stress zurückzuführen. In Summe sind die gesamtwirtschaftlichen Kosten der psychischen Belastungen mit 3,3 Milliarden Euro anzusetzen“, sagt Felten. Die Investition einer Milliarde Euro bringt daher eine doppelt so hohe Reduktion der gesamtwirtschaftlichen Kosten.

Psychotherapie für Kinder sofort und kostenlos
Eine zentrale Forderung ist die verbesserte Versorgung von Kindern und Jugendlichen, die psychotherapeutische Behandlung benötigen. Diese muss sofort und kostenlos erfolgen. „Kinder können nicht länger in der Erwachsenenpsychiatrie behandelt werden. Wir brauchen ausreichend spezialisierte Ärzte und mehr Betreuungsplätze für junge Menschen mit psychischen Problemen. Symptome können sich durch lange Wartezeiten verschlechtern, deshalb kommt es bei Kindern und Jugendlichen auf jeden Tag an“, sagt Psychotherapeutin  Mag. Sonja Ramskogler.