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Burnout – wenn Erschöpfung den Alltag bestimmt
Viele kennen das Gefühl, nur noch zu funktionieren: Man ist müde, gereizt und überfordert. Aufgaben, die früher leicht fielen, werden anstrengend, Pausen kommen zu kurz und trotzdem sagt man sich: „Ich muss weitermachen." Für viele beginnt genau so ein Burnout – ein Zustand, der heutzutage Menschen in allen möglichen Berufen und Bereichen der Arbeitswelt betrifft und oft lange unbemerkt bleibt. Trotz der weiten Verbreitung fällt es vielen schwer, darüber zu sprechen. Viele Personen schämen sich, sehen ihren Zustand als persönliches Versagen oder fürchten Probleme am Arbeitsplatz, für die Karriere oder im privaten Umfeld. Burnout hat jedoch nichts mit Schwäche zu tun, sondern mit anhaltender Überlastung, Stress und fehlender Erholung. In diesem Blogbeitrag schauen wir uns an, was Burnout eigentlich ist, welche Ursachen dahinterstehen und was wir tun können, um besser mit Belastungen umzugehen und Burnout vorzubeugen.
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Was ist Burnout?
Ursprung des Begriffs
Der Begriff Burnout wurde in den 1970er Jahren erstmals vom Psychoanalytiker Herbert Freudenberger geprägt. Er beschrieb damals erstmals die Symptomatik eines Ausbrennens bei engagierten Mitarbeitenden in sozialen Berufen und beobachtete körperliche Beschwerden wie Müdigkeit, Schlafstörungen und Kopfschmerzen, sowie psychische Veränderungen wie Gereiztheit, Frustration und den Verlust von Flexibilität im Denken und Handeln (Bridgeman et al., 2017; Freudenberger, 1974; von Känel, 2008).
Christina Maslach prägte später die bis heute wichtigste Definition vom Burnout-Syndrom. Sie beschreibt Burnout als Zusammenspiel von drei Bereichen: emotionaler Erschöpfung, innerer Distanz oder Depersonalisation und einem Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit und Misserfolg (Bridgeman et al., 2017; Maslach et al., 1997, Maslach et al., 2001).
Burnout lässt sich damit als arbeitsbezogene Erschöpfungsreaktion verstehen, die entsteht, wenn Belastungen dauerhaft höher sind als die eigenen Bewältigungsmöglichkeiten und man sich somit zunehmend ausgebrannt fühlt.
Wie häufig ist Burnout?
Da es keine weltweit einheitliche Diagnose für das Burnout-Syndrom gibt, lässt sich die Häufigkeit von Burnout schwer eindeutig identifizieren. In einer deutschen Bevölkerungsstudie berichteten jedoch etwa 4,2 % der Befragten, dass bei ihnen irgendwann im Leben ein Burnout-Syndrom ärztlich oder psychotherapeutisch diagnostiziert wurde, bei etwa 1,5 % in den letzten 12 Monaten (Maske et al., 2016). Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher, da viele Betroffene lange warten, bevor sie sich Hilfe holen.
Anzeichen und Symptome: Die drei Kernbereiche von Burnout
Das Burnout-Syndrom zeigt sich bei jeder Person etwas anders. Forschung und Praxis beschreiben jedoch drei typische Symptomgruppen, die häufig gemeinsam auftreten (Maslach et al., 1997; Maslach et al., 2001; von Känel, 2008).
1. Emotionale Erschöpfung
Emotionale Erschöpfung gilt als Kernsymptom von Burnout. Betroffene fühlen sich dauerhaft müde, ausgelaugt und innerlich leer. Schon morgens kann das Gefühl bestehen, keine Energie für den Job oder andere Aufgaben zu haben. Wochenenden oder kurze Pausen bringen kaum Erholung und selbst kleine Aufgaben fühlen sich wie große Herausforderungen an.
Häufig treten weitere Beschwerden auf: Schlafstörungen, innere Anspannung, Gereiztheit, Niedergeschlagenheit und das Gefühl, sich in der Freizeit nicht mehr entspannen zu können. Auch körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen und Magen-Darm-Probleme kommen häufig vor (psychenet, o. J.; Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, o. J.).
2. Innere Distanz und Depersonalisation
Viele Betroffene reagieren auf anhaltende Überforderung mit einer psychologischen Schutzreaktion: Sie distanzieren sich innerlich von ihrem Beruf oder ihrem Umfeld. Zudem kann es zu emotionaler Abstumpfung kommen. Manche erleben sich selbst als verändert oder „fremd“. Der Kontakt zu Kolleg:innen, Kund:innen oder Patient:innen wird flacher oder abwertender. Manche berichten, dass sie emotional „kalt“ werden, ihnen alles gleichgültig wird oder sie nur noch Dienst nach Vorschrift machen. Dies kann zusätzliche Probleme im Arbeitsumfeld auslösen (psychenet, o. J.).
3. Verringerte Leistungsfähigkeit und das Gefühl, nie zu genügen
Ein zentrales Merkmal von Burnout ist das Gefühl, nichts mehr richtig zu schaffen und nicht genug zu sein: Konzentration, Kreativität, Geduld und Belastbarkeit sinken. Obwohl Betroffene objektiv viel leisten, sinkt das subjektive Gefühl der Kompetenz. Selbst Routineaufgaben fühlen sich schwer an.
Häufig versuchen Betroffene, dieses Empfinden durch noch mehr Einsatz zu kompensieren, etwa durch Überstunden, Wochenendarbeit oder das Unterdrücken eigener Pausen. Das verstärkt die Erschöpfung weiter und kann zusätzliche Risiken wie erhöhte Fehleranfälligkeit, Suchtverhalten oder depressive Symptome mit sich bringen (psychenet, o. J.; Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, o. J.).

Burnout oder Depression? Wichtige Unterschiede und Überschneidungen
In der Praxis werden Burnout und Depression oft unscharf voneinander abgegrenzt, manchmal werden die Begriffe sogar synonym verwendet. Fachlich ist die Lage jedoch komplizierter:
Was spricht für eine Unterscheidung?
Eine Depression wird über klar definierte Symptome und diagnostische Kriterien beschrieben. Dazu gehören unter anderem anhaltend gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Schuldgefühle, Schlaf- oder Appetitveränderungen sowie mögliche Suizidgedanken (APA, 2015). Diese Symptome können unabhängig vom Lebenskontext auftreten und sind damit nicht zwingend an berufliche Belastungen oder Überlastung gebunden.
Bei Burnout-Symptomen steht dagegen der Kontext im Mittelpunkt (Minddoc, o. J.; Neurologen und Psychiater im Netz, o. J.). Es geht um Erschöpfung, die im Zusammenhang mit dauerhafter Überlastung entsteht – meist in der Arbeit, teils aber auch im Studium oder in privaten Verantwortungsbereichen. Viele Betroffene berichten, dass sie außerhalb dieser Bereiche zumindest teilweise Freude empfinden können, etwa im Kontakt mit Familie oder Freund:innen (Bridgeman et al., 2017).
Während bei einer Depression also die Symptome zur Diagnose führen, spielt beim Burnout-Syndrom vorrangig eine entscheidende Rolle, woher die Erschöpfung kommt.
Was spricht für eine Nähe zur Depression?
Forschung zeigt jedoch auch, dass die Grenzen zwischen Burnout und Depression fließend sein können. In einer Studie mit 5.575 Teilnehmer:innen erfüllten 90 % der Personen mit starken Burnout-Symptomen gleichzeitig Kriterien für eine depressive Störung (Bianchi et al., 2014).
Weitere Studien deuten darauf hin, dass Burnout- und Depressionssymptome häufig gemeinsam zu- oder abnehmen. Das zeigt eine enge Verbindung zwischen den beiden Zuständen und spricht dafür, dass Burnout zumindest eine depressive Komponente oder ähnliche Ursachen haben kann (Ahola et al., 2014).
Ist Burnout überhaupt eine Krankheit?
Burnout ist im Gegensatz zur Depression nicht als eigenständige psychische Erkrankung klassifiziert. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten findet es sich unter der Kategorie „Problematik in Verbindung mit Berufstätigkeit“ (WHO, 2019), was bedeutet, dass Burnout einen realen Belastungszustand beschreibt, aber keine klar definierte Krankheit im diagnostischen Sinne darstellt (Kaschka et al., 2011; von Känel, 2008). Demnach gibt es aktuell auch keine international allgemein anerkannten diagnostischen Kriterien für das Burnout-Syndrom (Maske et al., 2016).
Was bedeutet das für den Alltag?
Tatsache ist, dass die Belastung – egal ob Burnout oder Depression – real und ernst zu nehmen ist. Wichtig ist deshalb, Warnsignale frühzeitig ernst zu nehmen. Wenn zur Erschöpfung weitere Symptome wie anhaltende gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Hoffnungslosigkeit oder Suizidgedanken dazukommen, sollte rasch professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
Wie entsteht Burnout? Ursachen und Risikofaktoren
Burnout entsteht selten durch einen einzelnen Auslöser, sondern hat meist mehrere Ursachen. Meist ist es ein Zusammenspiel von äußeren Bedingungen, persönlichen Faktoren und der Art, wie jemand mit Belastung und Stress umgeht (Bauer, 2003; von Känel, 2008). Entscheidend ist, dass Burnout entsteht, wenn die Beanspruchung dauerhaft größer ist als die individuellen Möglichkeiten zur Stressbewältigung – ein Ungleichgewicht, das jede Person in der Bevölkerung treffen kann, unabhängig von Beruf und Karriere.

Äußere Faktoren am Arbeitsplatz und im Alltag
Ein Großteil der Burnout-Ursachen liegt in der heutigen Arbeitswelt. Zu solchen Faktoren zählen unter anderem (Kaschka et al., 2011; Maslach & Leiter, 2008; psychenet, o. J.):
- hohe Arbeitsanforderungen
- Arbeitsüberlastung
- unklare Rolle am Arbeitsplatz
- mangelnder Einfluss auf den Arbeitsablauf, Mangel an Autonomie
- mangelnde Unterstützung von Vorgesetzten und Kolleg:innen
- fehlende Wertschätzung, Anerkennung und Feedback
- schlechte Bezahlung
- schlechtes Arbeitsklima, Konflikte oder Mobbing
Zudem stellt fehlende soziale Unterstützung ein Risiko dar (Maslach & Leiter, 2008).
Innere Faktoren
Die Psychologie kennt keine „Burnout-Persönlichkeit“. Trotzdem zeigen sich bestimmte persönliche Eigenschaften, die das Risiko erhöhen können (Kaschka et al., 2011; von Känel, 2008): Menschen, die
- perfektionistisch sind
- hohe Erwartungen an sich stellen
- ein hohes Bedürfnis nach Anerkennung haben
- sich bei der Arbeit übermäßig verausgaben
- viel Verantwortung übernehmen
- schlecht „nein“ sagen können
- Arbeit als zentrale Quelle für Selbstwert und Sinn nutzen
haben ein höheres Risiko für Burnout (Bauer et al., 2003; Siegrist, 1996).
Digitale und gesellschaftliche Faktoren
Unsere Arbeits- und Lebenswelt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Smartphones, Laptops und digitale Kommunikationskanäle sorgen dafür, dass viele Menschen fast jederzeit erreichbar sind. Ständige Erreichbarkeit, E-Mails am Abend, Nachrichten von der Arbeit am Wochenende – was alle gemeinsam haben: Das Gefühl, sofort reagieren zu müssen. Das kann das Nervensystem dauerhaft in Alarmbereitschaft halten.
Eine Studie von Derks und Bakker (2014) zeigte, dass digitale Erreichbarkeit und somit fehlende Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit die Erholung beeinträchtigt und Ursachen für mehr Stress und Erschöpfung sind. Wenn der Kopf nie wirklich abschaltet, kann sich der Körper weniger gut regenerieren.
Auch gesellschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) weist darauf hin, dass in unserer modernen Leistungsgesellschaft oft der Eindruck entsteht, jede:r sei allein für den eigenen Erfolg verantwortlich. Diese Vorstellung kann dazu führen, sich immer weiter anzutreiben und die eigenen Grenzen zu übergehen (psychenet, o. J.).

Phasen von Burnout: Wenn aus Engagement Erschöpfung wird
Freudenberger und North (1992) beschrieben ein 12-stufiges Phasenmodell, das zeigt, wie sich das Burnout-Syndrom schleichend entwickelt. Natürlich läuft der Prozess nicht bei jeder Person genau nach diesem Schema ab, aber das Modell kann dabei helfen, typische Entwicklungen besser zu verstehen:
- Zwang, sich zu beweisen
- Verstärkter Einsatz
- Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
- Verdrängung von Konflikten
- Umdeutung von Werten
- Verleugnung von Problemen
- Sozialer Rückzug
- Beobachtbare Verhaltensänderung
- Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
- Innere Leere
- Depression
- Völlige Erschöpfung
Wichtig: Man „hat“ nicht plötzlich Burnout, sondern rutscht Stück für Stück hinein. Das bedeutet jedoch auch, dass man an vielen Stellen gegensteuern kann.
Behandlung: Was hilft bei Burnout – und wer kann dazu beitragen?
Burnout ist behandelbar. Es braucht Zeit, aber viele Wege können dazu beitragen, dass sich Körper und Psyche erholen. Fachleute empfehlen meist einen multimodalen Ansatz, der körperliche, psychische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt (Kaschka et al., 2011; von Känel, 2008).
Belastungen reduzieren – als Betroffene:r und Arbeitgeber:in Grenzen ziehen
Ein erster Schritt besteht darin, Überlastung zu erkennen und Veränderungen einzuleiten. Das kann bedeuten:
- Aufgaben neu zu verteilen
- Arbeitszeit oder Verantwortung zu reduzieren
- Prioritäten klarer zu setzen
- Grenzen bewusst zu formulieren
Für Betroffene bedeutet das oft, eigene Bedürfnisse ernster zu nehmen und Überforderung nicht länger „wegzudrücken“. Oft wird in diesem Zusammenhang auch von Work-Life-Balance gesprochen: Gemeint ist damit das bewusste Gleichgewicht zwischen beruflichen Anforderungen und persönlicher Erholung, damit Belastungen nicht dauerhaft überwiegen.
Arbeitgeber:innen können unterstützen, indem sie Arbeitsbelastungen realistisch gestalten, Rollen klären und Mitsprache ermöglichen. Ein gesundes Arbeitsumfeld trägt nachweislich dazu bei, Burnout entgegenzuwirken (von Känel, 2008).
Oft kann eine zeitlich begrenzte Auszeit sinnvoll sein, besonders, wenn die Erschöpfung sehr ausgeprägt ist. Ob eine längere Pause oder ein schrittweiser Wiedereinstieg besser geeignet sind, sollte jedoch individuell entschieden werden (von Känel, 2008).

Therapeutische Unterstützung
Professionelle Hilfe in Form von Psychotherapie ist ein zentraler Bestandteil der Behandlung. Sie hilft dabei, die Hintergründe des eigenen Erschöpfungszustandes besser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Belastung zu entwickeln (Kaschka et al., 2011; von Känel, 2008). Besonders gut untersucht sind:
- kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren
- stress- und ressourcenorientierte Methoden
- Methoden zum Umgang mit Perfektionismus und innerem Druck
Therapeut:innen unterstützen dabei, eigene Grenzen zu verstehen, Stressoren zu reduzieren und innere Ansprüche realistischer zu gestalten.
Medikamente
Burnout selbst wird nicht medikamentös behandelt. Medikamente können jedoch sinnvoll sein, wenn zusätzlich eine Depression oder Angststörung vorliegt. In solchen Fällen entscheiden Fachärzt:innen gemeinsam mit den Betroffenen, ob Antidepressiva als Ergänzung zur Psychotherapie geeignet sind (Kaschka et al., 2011).
Körper, Alltag und Erholung stärken
Burnout betrifft immer auch den Körper und den Lebensrhythmus. Deshalb spielen alltägliche Gewohnheiten eine wichtige Rolle:
Körperliche Aktivität
Oftmals wird regelmäßige körperliche Aktivität empfohlen: Schon moderate Ausdauerbewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder leichtes Joggen kann das Stresssystem beruhigen und die Stimmung stabilisieren (Hillert & Marwitz, 2006). Regelmäßige Aktivität baut Anspannung ab und unterstützt die emotionale Stabilisierung.
Entspannung, Stressregulation und Struktur
Entspannungstechnicken wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder Yoga unterstützen zusätzlich dabei, das überreizte Nervensystem herunterzufahren (Hillert & Marwitz, 2006; von Känel, 2008). Auch ein verlässlicher Tagesrhythmus ist hilfreich. Feste Zeiten für Schlaf, Mahlzeiten und Pausen vermitteln dem Körper Sicherheit und Struktur.
Sinnvolle, nicht-leistungsbezogene Aktivitäten
Kreative Tätigkeiten, Hobbys oder Zeit in der Natur schaffen Abstand zum belastenden Alltag. Sie stärken das Gefühl von Selbstwirksamkeit und geben Energie zurück (von Känel, 2008).
Soziale Unterstützung
Angehörige und Freund:innen können eine wichtige Stütze sein. Zuhören, Entlasten und gemeinsame Aktivitäten, die nichts mit Leistung zu tun haben, geben Halt. Soziale Verbundenheit wirkt nachweislich schützend und erleichtert den Weg aus der Erschöpfung (von Känel, 2008).

Prävention: Wie kannst du Burnout vorbeugen?
Burnout-Prävention bedeutet nicht, dass du „einfach belastbarer“ sein musst. Es geht vielmehr darum, gesunde Rahmenbedingungen zu schaffen und einen Umgang mit Stress zu finden, der langfristig tragbar ist. Prävention findet auf mehreren Ebenen statt und ähnelt in vielen Punkten den Behandlungsmöglichkeiten: Belastung reduzieren, Erholung ermöglichen und Unterstützung bereitstellen.
Wichtig ist es, Erholung als festen Bestandteil des Alltags zu betrachten. Pausen am Tag, freie Abende und echte Erholung im Urlaub gehören genauso dazu wie bewusste Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit, zum Beispiel in Form von festen Zeiten ohne berufliche E-Mails oder Nachrichten. Bewegung, ausreichend Schlaf und kleine Auszeiten unterstützen den Körper dabei, Stress abzubauen und langfristig widerstandsfähig zu sein (KlinikRadar, o. J.).
Realistische Erwartungen an sich selbst können davor schützen, in Perfektionismus oder Überforderung hineinzurutschen. Zudem hilft es, bewusst zu üben, öfter nein zu sagen, wenn die eigenen Grenzen erreicht sind.
Prävention ist aber nicht nur eine individuelle Aufgabe. Auch Arbeitgeber:innen können viel dazu beitragen, indem sie Arbeitszeiten fair gestalten, Aufgaben transparent verteilen, klare Rollen schaffen und Raum für Austausch ermöglichen. Schon Freudenberger empfahl in den 1970er Jahren Maßnahmen wie begrenzte Arbeitszeiten, eine faire Aufgabenteilung und die Möglichkeit, Erfahrungen zu reflektieren – Empfehlungen, die heute aktueller sind denn je (Bridgeman et al., 2017; Freudenberger, 1974).
Fazit
Burnout bedeutet nicht, dass du versagt hast. Ganz im Gegenteil: Viele Menschen, die davon betroffen sind, haben über Jahre hinweg viel geleistet, Verantwortung getragen und immer wieder über die eigenen Grenzen hinaus gearbeitet. Irgendwann meldet sich der Körper, die Psyche oder beides, weil die Belastung auf Dauer zu groß wird.
Wichtig ist, die eigenen Anzeichen ernst zu nehmen und nicht darauf zu warten, „bis es wieder besser wird“. Burnout zeigt, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist: die Anforderungen im Job oder Alltag auf der einen Seite und die eigenen Kräfte, Ressourcen und Bedürfnisse auf der anderen. Dieses Ungleichgewicht kann jede Person treffen – kann jedoch auch wieder stabilisiert werden.
Du musst dabei nicht alleine bleiben. Unterstützung zu suchen, darüber zu sprechen und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist kein Luxus, sondern ein mutiger Schritt in Richtung Gesundheit. Burnout ist behandelbar. Und es gibt Wege zurück zu mehr Energie, Lebensfreude und innerer Stabilität.
Quellen
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